Die kurze Antwort: etwa 500 bis 650 Wörter. Die offizielle Wortliste, die das Goethe-Institut für die Prüfung Start Deutsch 1 veröffentlicht, umfasst rund 650 Einträge, und die GER-Beschreibung von A1 deutet auf einen ähnlichen Bereich.
Diese Zahl überrascht die meisten, weil sie weit unter den Erwartungen liegt. Aber bei A1 ging es nie um einen breiten Wortschatz. Der Zweck ist enger und praktischer: sich vorstellen, Alltagsbedürfnisse ausdrücken und antworten, wenn jemand einen anspricht. Sechshundert Wörter decken das bequem ab.
Warum so wenige?
Weil auf A1 nicht zählt, wie viele Wörter du kennst, sondern welche es sind. Die 500 häufigsten deutschen Wörter machen einen sehr großen Anteil gewöhnlicher Gespräche aus. Eine Handvoll Verben — *sein, haben, gehen, machen, können, wollen* — ist das Rückgrat fast jedes Satzes, den eine Anfängerin braucht.
Wer dagegen 5.000 zufällig gewählte Wörter auswendig gelernt hat, aber diese Grundverben nicht konjugieren kann, bringt keinen einzigen Satz zustande. Das ist der teuerste Fehler beim Sprachenlernen: viele Wörter, wenig Gebrauch.
Was die A1-Liste tatsächlich abdeckt
Sieht man sich die Goethe-Liste an, gruppieren sich die Wörter um bestimmte Lebensbereiche:
Persönliche Angaben — Name, Alter, Land, Beruf, Familienmitglieder. Das Erste, was in der Prüfung gefragt wird, und das Erste, was im Alltag gefragt wird.
Zahlen, Zeit, Datum — deutsche Zahlen sind regelmäßig und haben nach dem Lernen wenige Ausnahmen. Die Uhrzeit (*halb*, *viertel*) braucht eigene Übung, weil die Logik vom Englischen abweicht: *halb drei* heißt halb nach zwei, nicht nach drei.
Wohnen und Gegenstände — Räume, Möbel, Küchendinge. Diese Gruppe prägt sich leicht ein, weil die Wörter konkret sind.
Essen, Einkaufen, Geld — nach Preisen fragen, Mengen nennen, bezahlen. Für alle, die nach Deutschland ziehen, sind das die Wörter der ersten Woche.
Wege und Verkehr — rechts, links, geradeaus, halt, Fahrkarte. Ohne sie kommt man allein nicht durch eine Stadt.
Alltagsverben — aufstehen, essen, arbeiten, schlafen. Wenige an der Zahl, am häufigsten im Gebrauch.
Lerne nie ein Nomen ohne Artikel
Es gibt auf A1 einen Fehler, der später sehr teuer wird: Nomen ohne Artikel auswendig zu lernen. Wer „Tisch = table“ lernt, kommt ein halbes Jahr später bei den Fällen ins Stocken, denn im Deutschen verändert der Kasus nicht das Nomen selbst — er verändert den Artikel: *der Tisch → den Tisch → dem Tisch.*
Anders gesagt: Wer das Genus nicht kennt, kann den Kasus nicht bilden. Von Tag eins an gemacht kostet das nichts extra. Später gemacht bedeutet es, tausend Nomen neu zu lernen. Die Regel ist einfach: jedes Nomen mit Artikel schreiben und mit Artikel wiederholen.
Es gibt außerdem nützliche Endungsmuster, mit denen sich das Genus vorhersagen lässt; wir behandeln sie im Leitfaden zu der, die, das.
Wie lange dauert es?
Das Goethe-Institut nennt für A1 etwa 80 bis 200 Unterrichtsstunden. Die Spanne ist aus gutem Grund breit: Es hängt tatsächlich davon ab, ob du schon eine Fremdsprache gelernt hast, was deine Erstsprache ist und wie viele Stunden pro Woche du arbeitest.
Eine praktische Schätzung: Bei 30 konzentrierten Minuten täglich sind drei bis fünf Monate realistisch. Bei zwei Stunden täglich sechs bis acht Wochen. Das entscheidende Wort ist „regelmäßig“ — eine dreistündige Einheit pro Woche ist deutlich schwächer als dreißig Minuten täglich, weil Wortschatzgedächtnis auf verteiltem Wiederholen beruht, nicht auf Menge.
Wie viele neue Wörter pro Tag?
Acht bis zehn neue Wörter täglich sind für die meisten die tragfähige Obergrenze. In diesem Tempo erreichst du 650 Wörter in etwa zehn Wochen — und erreichst sie, ohne sie zu vergessen.
Der Versuch, 40 am Tag zu lernen, scheint eine Woche zu funktionieren und bricht in der dritten zusammen. Die Ursache ist nicht Willenskraft, sondern die Vergessenskurve: Ein neu gelerntes Wort fällt binnen Tagen stark ab, wenn es nicht wieder auftaucht. Jede Einheit sollte deshalb neue Wörter plus Wiederholung alter kombinieren.
Die Vokabelkarten von LexUnio nutzen genau deshalb verteiltes Wiederholen: Wörter, die du kannst, kommen selten zurück, Wörter, mit denen du kämpfst, oft. Fünfzehn Minuten täglich reichen, um fünfzig Wörter am Leben zu halten.
Wörter zu kennen genügt nicht
Der letzte und wichtigste Punkt: A1 besteht man nicht durch Wörterzählen. Prüfung und Alltag messen, ob du damit Sätze bauen kannst. Wer fünfhundert Wörter erkennt, aber nie gesprochen hat, ist nicht A1. Wer sich mit dreihundert vorstellen kann, ist es.
Lerne deshalb jedes neue Wort im Satz, nie allein. Statt „trinken“ merke dir „Ich trinke Wasser“. Für denselben Aufwand bekommst du das Wort, die Konjugation und den Satzbau.
Wo anfangen
Wenn du Deutsch bei null beginnst, fang bei A1 an. Hast du schon etwas Deutsch gelernt, miss zuerst, wo du wirklich stehst: Der kostenlose Deutsch-Einstufungstest gibt dein GER-Niveau in dreißig Fragen und braucht kein Konto.
Danach zeigt die Deutsch-A1-Seite Lektion für Lektion, was dieses Niveau umfasst. Zielst du auf die Prüfung, erklärt die Goethe-A1-Vorbereitungsseite, wie jede Fertigkeit geprüft wird.